B. Saletu

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!

Schlafstörungen sind zahlreich, vielfältig und folgenschwer. Etwa ¼ der Bevölkerung ist weltweit davon betroffen. Während jedoch in den USA bereits 3400 Spezialisten für Schlafmedizin für die Diagnose und Therapie von Schlafstörungen zur Verfügung stehen, ist die Somnologie in Österreich erst im Entstehen. Auf universitärer Ebene im Curriculum der Universität Wien hat die Schlafmedizin 2004 mit drei Vorlesungsstunden (Der normale Schlaf, Schlafstörungen, Messung von Schlafstörungen) Einzug gehalten, demnach sind Initiativen zur Fortbildung, wie dieser 1. Fachtag Schlafmedizin, der dem Thema „Schlafmedizin in der Praxis – Diagnose und Therapie“ gewidmet ist, sehr wichtig.

Zur Einteilung und Beschreibung von Schlaf-Wach-Störungen gibt es im Wesentlichen zwei international gebräuchliche Klassifikationssysteme:

Die ICD-10, die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsproblemen nach der Weltgesundheitsorganisation (10. Revision von 1992 bis wahrscheinlich 2017 gültig), die 18 verschiedene Schlaf-Wach-Störungen auflistet.

Die ICSD-3, die Internationale Klassifikation von Schlafstörungen (3. Ausgabe) der American Academy of Sleep Medicine, die 97 verschiedene Schlaf-Wach-Störungen unterscheidet und jeweils diagnostische Kriterien, essentielle und assoziierte Charakteristika, klinische und pathophysiologische Subtypen, demographische Daten, prädisponierende und auslösende Faktoren, genetische Daten, Beginn, Verlauf und Komplikationen, Pathologie und Pathophysiologie, objektive Befunde und Differentialdiagnosen beschreibt.

Für die vorliegende Tagung ist es uns gelungen, zum normalen Schlaf, zu den acht Hauptkapiteln der ICDS-3 (Insomnie, schlafbezogene Atmungsstörungen, zentrale Hypersomnolenzstörungen, zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen, Parasomnien, schlafbezogene Bewegungsstörungen, schlafbezogene medizinische und neurologische Erkrankungen und Schlafstörungen aufgrund von Substanzgebrauch) sowie zu vier speziellen Aspekten der Schlafmedizin (Pädiatrie, Zahnheilkunde und Kieferchirurgie, HNO, Psychologie) namhafte Sprecher aus dem In- und Ausland zu gewinnen.

In der Hoffnung, dass Sie durch diese Beiträge einen Einblick in die Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen erhalten, wünsche ich Ihnen einen spannenden und interessanten 1. Fachtag Schlafmedizin.

Ihr,

Univ.-Prof. Dr. Bernd Saletu
Leiter des Schlaflabors, Rudolfinerhaus

Wissenschaftliche Leitung